Samstag, 4. Dezember 2010

Es geschah nie, ist aber immer

Ich gehe das zugeschissene, verschneite Trottoir entlang.
Während ich ein Stück gefrorenen Hundekot vor mit her kicke und dabei in Gedanken in eine Welt versunken bin, in der jeder Fahrgast der Tram mein Furzen hört, da es keine iPods gibt und die Leute sich anschließend nach dem großen Gelächter angeregt über den soeben gehörten Darmwind unterhalten, viele Gemeinsamkeiten in ihrem Leben finden, zur abwechslung mal hilfreiche Lebensweisheiten austauschen und schließlich auf dem Höhepunkt der intimen, zwischenmenschlichen Kommunikation in einem spontanem und von Liebe durchflutetem Ritual Blutsbrüder werden ohne sich Gedanken über AIDS oder Hepatitis machen zu müssen, tritt aus heiterem Himmel ein Mann an mich heran.
Dieser Mann entspricht meiner Vorstellung eines Antiken Halbgottes/Heroen, sein Lendenschurz bedeckt exakt das Nötigste und betont hierzu seinen durch viel und regelmäßiges Training gestählten Körper. Er trägt sein Haar mittellang (im Bezug auf seine Körperlänge) und um ein Haar wäre mir entgangen, dass er Löwenfell und Keule mit sich führt. Geblendet von seiner Gestalt erlange ich mein Handlungsvermögen wieder und während ich mich frage, warum dieses zugegeben etwas fehlwirkende Mannsbild an einem solchen Tag keine Katzen von Bäumen rettet oder Großmütter über die Straßen der Stadt führt, fällt mir nun auf, dass er von mir immer noch angestarrt wird. Ziemlich schwule Aktion von mir - Ich wende meine Blicke umgehend von ihm ab, und während ich meinen iPod touch pausiere, dringt seine Stimme an mich heran : „....also worauf ich hinaus will ,ich hab da n keines Problem, welches ich ohne weiteres nicht lösän kann. Könntest du miä helfen?“.
Beseelt von meiner Vision einer besseren Welt beschließe ich von jetzt an mein Handeln in der Welt als Maxime zu festigen und nicke.
Ich folge Herkules( wie ich ihn nun bei mir nenne) einen langen Gang entlang in einen leeren Hinterhof.
Dort bekomme ich mit einer routinierten Geste die Keule meines Vorgängers auf den Kopf.
Als ich aufwache sieht meine Umgebung aus, wie durch einen Türspion betrachtet. Ich finde Gefallen an dieser, wenn auch hinderlichen Optik.
Mein iPod touch ist wie selbstverständlich weg. Auch in Ordnung denke ich, fang ich eben an mit dem „bereitfüreinekommunikationsein“ in der Bahn.
An diesem Tag schreibe ich unter großen Kopfschmerzen den selben Satz wie jeden Abend :

Liebes Tagebuch, die Welt ist schlecht doch das geht mir am Arsch vorbei.


//Lobstar

Blick auf die Dinge

Die Stadt liegt unter einer dicken Schneeschicht begraben - nicht nur jetzt, im Winter. Die Leute ignorieren sich oder schnauzen sich an, In der Kneipe gibt's immer noch die ungestimmte Gitarre, im Fernsehen sieht man immer noch die gleich Scheiße wie vor zwei Monaten. Die Zeitung berichtet über den SV Werder Bremen und den Bürgermeister. Irgendwie kennt man jeden so vom Sehen und irgendwie will man das gar nicht. Im Buchladen steht immer noch die gleiche hübsche Verkäuferin und lächelt einem zu - irgendwie sollte sie nicht hier sein. Die Stadt ist ein Rentnerparadies, denn hier passiert nichts und man kann sich über das Wetter aufregen.
Nichts ist, alles wird - Diese Stadt ist die Ausnahme.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Leise schnieselt der Ree!

Hallo FreundinInnen und Freunder! Guckt mal aus dem Loch eures Lochs in dem ihr haust (nicht gemeint war: der schottische Loch, vgl. "Loch Ness")! Ja, es schneit, windet und ist unausgesprochen kalt! Und was heißt das für uns (vgl. Wortspiel "heiß" – "heißen")? Warm anziehen!

Aber dies hier alles soll die Nachfrage werden, wer für EUCH die ungezogensten Unangezogenen sind, also die schlimmsten Herzenskalten, also die fiestesten Fiesbolde!

Und mit meinem überaußen (nicht gemeint "Linksaußen") Favoriten möchte ich auch schließen. Ich freue mich über EURE Stars!

"Now is the winter of our discontent!"

Dienstag, 30. November 2010

Feuilleton

Chaos in den Gefilden der Literatur. Oder, wie es Philosoph und Quasi-Vater des deutschen Denkertums Humbhelm vom Wilholdt einmal ausdrückte: "Es ist eine eigenthümliche Verstrickung zwischen Substanz des Seyns und Subseyns des Tanzes. Liegt das eine fern und bar jeder von Imagination berührbarer, fühlbarer, erspürbarer Nähe, so entfernt sich stetig und unaufhaltsam (...) des Nächsten Taschentuch."
Allegorisch, allegorisch!

Donnerstag, 18. November 2010

Sonntag, 7. November 2010

„Sozial geht nur subkutan“

Sehen sie, es geht mir ja gar nicht darum, öffentlich die große blutbefleckte Moralkeule auszupacken, antihedonistische Langweiligkeiten von mir zu geben oder, wie es heutzutage ja schier überall und an jeder Straßenecke dieses Datenautobahngeflechtes geschieht, von Verzicht und Enthaltsamkeit zu predigen. Wir leben nicht mehr in den 1950ern, die Prüderie kann getrost und züchtig zu Hause bleiben, Tagesschau schauen und um 21:30 Uhr ins Bett gehen, oder Rechtschreibfehler im Telefonbuch anstreichen.
Nein, in der Tat, ich möchte ihnen rein gar nichts über gesunde Lebensführung, über die Vorteile von fair gehandeltem Kaffee, über Rücksicht, über wahre Liebe und Treue, über Zuverlässigkeit und Pflichtgefühl, über allgemeinen Werteverfall, über die heutige Jugend, über Atomkraft, über Veganismus oder gar die Bild-Zeitung erzählen. Sie sehen, sie können diesen Text bedenkenlos lesen und genießen, ohne Gefahr zu laufen, belehrt zu werden, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, oder den Drang zu verspüren, ihre arme alte Mutter mal wieder anzurufen.
„Was ist denn dann der Sinn dieses Textes?“, werden sie sich jetzt zu Recht fragen, während ihnen innerlich und gut versteckt hinter einer interessiert-anbiedernden Mimikfassade ein tonnenschwerer Stein vom Herzen fällt, und – dies sei versichert – sie werden auf die Antwort noch warten müssen.
Unternehmen wir einen Exkurs in die Geschichte des Hedonismus, zurück zu stählern durchtrainierten Griechen, die, in der Abendsonne schwitzend, tief versunken in ihre Gedanken nackt auf einem Stein sitzen, die rechte Faust angestrengt gegen die Stirn gepresst, die Augen fest verschlossen, sich nichts hingebend als der reinen Vernunft, Ethik und Moral – natürlich in einem metaphysischen Sinne. Der Eine reimt gerade, unter Aufbietung all seiner mentalen sowie geistigen und psychischen Kraft eine epische Dichtung von immenser Sprachgewalt, die er kurzerhand noch während des Schaffensprozesses auswendig lernt, um Steintafeln oder Papier zu sparen . Ein Anderer, ein Athlet, reibt seinen Körper gerade mit Öl ein, wirft einen letzten Diskus durch das Stadion um im Anschluss gleich die 42,3 Kilometer nach Olympia zu sprinten, wo er noch eine Verabredung zum Ringen mit seinem Lehrer im örtlichen Gymnasion hat. Im Tempel wird den Göttern gehuldigt und ein aufmüpfiger Makedonier wird gescholten, weil er seinen Lehrer, einen angesehenen Athener, öffentlich diffamiert hat. Dass die Erde eine Scheibe ist, das weiß hier jeder, deshalb ist es ja auch so einfach sie zu vermessen, denn die Summe der Quadrate der Katheten ist logischerweise gleich groß, wie das Quadrat der Hypotenuse . Der so eben gescholtene Makedonier geht nach Hause und schreibt weiter an seinem neuen Buch, in dem er kurzerhand das Denksystem der nächsten zwei- bis zwölftausend Jahre begründen wird, natürlich wieder einmal unter fast schmerzhaft konzentrierten Nachdenkenkungsaktivitäten. Die ganze Polis scheint zu denken, zu dichten, zu kontemplieren, zu schaffen, arbeiten, schuften, sich zu ertüchtigen, zu singen, zu tanzen - und das mit einer Ernsthaftigkeit, dass es dem kleinen, dicken Männchen dort drüben im Wirtshaus fast angst und bange werden könnte, wäre er nicht gerade so vergnügt und fröhlich. Dieser kleine, dicke Mann, der mit der rechten Hand gerade den Schoß seiner bildhübschen Sklavin liebkost und mit der linken einen saftigen Bratenspieß in Richtung Mund bugsiert – vor ihm steht ein Krug Wein auf einer vollgeladen Tafel mit den erlesensten Speisen – dieser kleine dicke Mann also heißt Epikur.
Und hier wären wir auch schon am Ende unseres kleinen Exkurses.
„Wie bitte?“, werden sie jetzt sagen, die Stirn leicht gerunzelt, „Wie bitte, das soll alles gewesen sein?“
Und ich erwidere gelassen, ja, werter Leser, das war’s, mehr kommt nicht von den alten Griechen, den Rest werde ich in der schnöden Gegenwart entwerfen, beziehungsweise in der schnöden textimmanenten Gegenwart.
Also, was unterscheidet unseren lieben Epikur von den anderen genannten Griechen, die wie besessen durch Athen wandeln, diskutieren, politisieren? Die Antwort ist einfach: Epikur wird in diesem Wirtshaus die Nacht seines Lebens verbringen und am Ende – und das ist der Witz daran – die Zeche prellen.
Ein Leben für den Augenblick, und damit tatsächlich für die Ewigkeit - genau an dem Punkt, an dem sich Vergangenheit und Zukunft treffen.
//nager

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Theorie und Spastik

Der examinierte Spezialist für Sozialphobie/Gerontologie und Betreiber einer kleinen Kochshow im Privatfernsehen Peter Boxnase holt zu einem Rundumschlag aus und lässt kein gutes Haar an Forschung und Lehre.

Kawummkeule imDialog

Kawummkeule: Herr Boxnase, vielen Dank, dass Sie uns ein zweites Interview geben, nachdem die Kritik ihr erstes Gespräch (siehe weiter unten!) mit uns in der Luft zerrissen hat.

Boxnase: Die Kritiker... Das sind die Leute, die sich ungefragt an deinen Tisch setzen, mit dir speisen und dann allen erzählen, dein Wein sei zum Fürchten.

Kawummkeule:. … wohl wahr. Kann ich ihnen irgendetwas anbieten? Wasser, ein Säftchen?

Boxnase: Cognac.

Kawummkeule: Cognac? Da müsst’ich noch mal schnell zur Tanke - geht zur Not auch der Selbstgebrannte?

Boxnase: Wenn Sie so fragen - Wie viele Umdrehungen hat der denn?

Kawummkeule: Das müsst ich jetzt schätzen, aber meiner Omi hat er die Zehnägel umgekrempelt und die versteht was von Klarem.

Boxnase (trinkt): Sie sprechen ein interessantes Thema an, Altersweitsicht. Untersuchungen der Uni Darmstadt haben ergeben, dass ca. 21% der Jugendlichen, die mit unter 20 nach Darmstadt kommen eine Sehschwäche haben und nicht mit Geld umgehen können. So weit so gut. Wenn wir aber die sozialen Hintergründe dieser Jugendlichen, ich nenne sie ab jetzt Studenten, näher beleuchten, so sticht ein Detail heraus: keiner der 84 von uns befragten hieß entweder Slatko oder Borschtsch mit Vor-, Zweit-, oder Nachnamen. Das sollte uns zu denken geben.

Kawummkeule: Verstehe. Noch ein Schnäpschen?

Boxnase: Sehr gern. Weiter geführt lässt diese Studie nur eine mögliche Schlussfolgerung zu, und die ist weder eindeutig noch hinterfragbar.

Kawummkeule: So?

Boxnase: Genau. Das Zauberwort heißt Sozialphobie. Kandierte Salami ist ja auch ungenießbar, genau wie neu angestrichene Abrissbuden oder Hundescheiße in Geschenkpapier.

Kawummkeule: Mh.

Boxnase: Und da schließt sich dann der Kreis und deswegen ist es auch Quatsch, dass parallele Geraden sich in der Unendlichkeit treffen, oder Fisch nach drei Tagen Sauna schlimmer riecht als aggressiver, antibiotikaresistenter Fußpilz.

Kawummkeule: Sauna?

Boxnase: Guter Einwand. Aber haben sie auch schon einmal über die Folgen nachgedacht?

Kawummkeule: Ne. Aber du fliegst gleich raus, alter Sack.

Boxnase: Ja und Nein. Warum Ja? Weil Dill keine Computerfirma ist, sondern ein Kraut. Warum Nein? Weil wir ja auch nicht unter frischgestrichenen Leitern langgehen, nur weil wir nicht abergläubisch sind. Sehen sie, die Wissenschaft bietet so viel mehr als nur reine Fakten und Zahlen. Warum sie nicht anwenden?

Kawummkeule: Das Gespräch ist beendet, Boxnase. Wir sprechen uns in drei Tagen, wenn ich wieder nüchtern bin. Bis dahin sollte auch jemand diese willfährige Rotation abgestellt haben, mir ist schon ganz schwindelig. Tschüss.

Boxnase: Da bringen sie einen guten neuen Gedanken ein. Man müsste einen Gärtner damit konfrontieren, oder lieber gleich einen Gynäkologen. Fest steht eines: Nichts ist sicher.